Orthopädie und Unfallmedizin


Schulter und Oberarm

Bizepssehnenriss

Bizepssehnenriss (Bizepssehnenruptur): Riss einer Sehne des Bizepsmuskels. In über 95 % der Fälle ist die lange Bizepssehne betroffen, die den Muskel am Oberrand der Schultergelenkpfanne befestigt. Die Verletzung ist verschleißbedingt und betrifft meist körperlich schwer arbeitende Menschen über 40 Jahre. In der Regel reicht eine konservative Behandlung mit kurzfristiger Ruhigstellung, gefolgt von Bewegungsübungen, aus. Bei jüngeren und schwer arbeitenden Menschen wird die abgerissene Sehne operativ wieder am Knochen befestigt. Meist hinterlässt die Erkrankung keine bleibenden Beschwerden oder Funktionseinbußen.

Leitbeschwerden

  • Anfangs meist ein akuter, stechender Schmerz
  • Anfangs Schwäche bei der Beugung des Arms und Umwendbewegung des Unterarms (Handflächen nach oben)
  • Im Seitenvergleich sicht- und tastbare Vorwölbung des unter der Haut heruntergerutschten Bizepsmuskel an der Vorderseite des rechten Oberarms.

Die Erkrankung

Die lange Bizepssehne weist nach Jahren schwerer, körperlicher Arbeit häufig Abnutzungserscheinungen auf. Insbesondere Überkopfarbeiten wie z. B. Elektroinstallationen haben zur Folge, dass sich die Sehne unter dem Schulterdach aufreibt (PHS). Oft führen dann bereits kleine Belastungen zum Riss.

Nur 5 % der Bizepssehnenrisse betreffen die untere Bizepssehne, die den Muskelzug am Unterarm auf die Speiche überträgt. Mit 1 % noch seltener ist ein Riss der kurzen Bizepssehne, die den Muskel am Rabenschnabelfortsatz des Schulterblatts fixiert.

Versucht der Betroffene, den Bizeps bei der Armbeugung einzusetzen, spürt er neben Schmerzen eine mehr oder weniger deutliche Schwäche, da der abgerissene Muskel keine Kraft mehr überträgt. Nach einigen Wochen bis Monaten nimmt die Kraft allmählich wieder zu, weil der gerissene Muskelbauch einen Teil seiner ursprünglichen Funktion wieder aufnimmt und zudem andere Muskeln die Aufgaben des verletzten Bizeps mitübernehmen.

Das macht der Arzt

Der Arzt stellt die Diagnose anhand des Schmerzberichts, der typischen Kraftminderung und des abgesackten Muskelbauchs. Zur Diagnosesicherung eignet sich Ultraschall, in Zweifelsfällen auch Kernspin. Röntgenbilder helfen, die Frage nach weiteren Abnutzungserscheinungen an der betroffenen Schulter zu klären.

Zur Behandlung reichen häufig konservative Maßnahmen, insbesondere bei älteren Patienten, die sich durch den Sehnenriss oft kaum beeinträchtigt fühlen. Nach zwei- bis viertägiger Ruhigstellung im Schulter-Arm-Verband, z. B. Gilchrist-Verband, folgt eine Therapie mit Bewegungsübungen. Kälteanwendungen und die Einnahme abschwellender, entzündungshemmender Medikamente wie Diclofenac tragen zum Rückgang der Beschwerden bei.

Bei jüngeren Betroffenen oder Personen, die körperlich schwer zu arbeiten haben, tendieren die meisten Chirurgen und Orthopäden zur Operation. Dabei befestigen sie die abgerissene Bizepssehne knapp unterhalb des Schultergelenks am Oberarmknochen oder am Rabenschnabelfortsatz des Schulterblatts. Im Anschluss an die Operation sind schon nach einer kurzen Ruhigstellungsphase aktive Bewegungen erlaubt. Für starke Belastungen ist der operierte Arm jedoch erst nach 2–4 Wochen einsetzbar.

Brüche des Oberarms

Oberarmschaftbruch (Humerusschaftfraktur): Bruch des Oberarmknochens im mittleren, röhrenförmigen Anteil, typischerweise infolge eines Sturzes oder durch direkte Krafteinwirkung auf den Oberarm bei Verkehrsunfällen. Begleitende Verletzungen des Speichennervs kommen vor und führen zu manchmal auch anhaltenden Gefühlsstörungen und Lähmungen an Unterarm und Hand.

Bruch des unteren Oberarmendes (distale Humerusfraktur, supracondyläre bzw. epicondyläre Humerusfraktur): Bruch des Oberarmknochens knapp oberhalb des Ellenbogengelenks, meist bei Sturz auf den Ellenbogen.

Einfache Oberarmbrüche, bei denen die Bruchteile nicht verschoben sind, behandelt der Arzt konservativ mit Ruhigstellung im Gips oder einem Oberarm-Brace. Verschobene Brüche oder solche mit Begleitverletzungen erfordern eine operative Versorgung, hier werden die Bruchteile mit Schrauben, Drähten und Platten wieder zusammengefügt und stabilisiert (Osteosynthese). Bei Trümmerbrüchen am Ellenbogengelenk empfiehlt der Arzt meist einen Gelenkersatz mit Endoprothese.

Hinweis: Brüche des Oberarmkopfs unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von den anderen Oberarmbrüchen, sie werden deshalb separat im Artikel Oberarmkopfbruch behandelt.

Symptome und Leitbeschwerden

Nach Sturz oder Unfall:

  • Schwellung, starker Druckschmerz
  • Schmerzhafte Einschränkung der Beweglichkeit in Schulter- und Ellenbogengelenk
  • Manchmal Knickbildung und abnorme Beweglichkeit
  • Oft hörbares Knochenreiben bei Bewegungen (Krepitation)
  • Gefühlsstörungen an der Streckseite von Daumen und Zeigefinger
  • Schwäche bis Lähmung beim Versuch die Finger zu strecken (sogenannte Fallhand)
  • Der verletzte Arm wird mit dem gesunden am Brustkorb (fest-)gehalten.

Wann zum Arzt

Sofort, wenn

  • nach einem Sturz oder Unfall die oben genannten Beschwerden auftreten.

Erste Hilfe

Die schmerzende Stelle sofort mit Umschlägen, Eisbeuteln oder Kühlpacks zu kühlen bringt oft Schmerzerleichterung. Beim Transport zum Arzt ist es empfehlenswert, den verletzten Arm in angewinkelter Stellung vorsichtig mit einem Tuch oder Kleidungsstück am Körper zu fixieren.

Die Erkrankung

Oberarmbrüche entstehen meist im Rahmen von Stürzen oder Unfällen. Bei Stürzen auf den Ellbogen bricht der Knochen am unteren Ende des Oberarms. Prallt ein Radfahrer gegen eine sich öffnende Autotür, bricht dagegen eher der Oberarmschaft. Brechen kann der Oberarm durch ein Verdrehtrauma auch durch indirekte Kräfte wie etwa beim Armdrücken.

Einteilung der Oberarmbrüche

Eingeteilt werden Oberarmschaftbrüche in einfache Brüche (mit spiraligem, schrägen oder geradem Bruchspalt), Keilfrakturen (bei denen ein Keil aus dem Knochen gebrochen ist, der wiederum intakt, d. h. in einem Stück oder fragmentiert sein kann) und in Mehrfragmentfrakturen, bei denen der Oberarmknochen in mehrere Bruchteile gebrochen ist.

Untere Oberarmbrüche teilen die Ärzte danach ein, ob das Ellenbogengelenk mitbetroffen ist. Ist das Gelenk nicht betroffen, spricht man von einem extraartikulären Bruch. Ist das Gelenk betroffen, unterscheidet man zwischen einem vollständigen oder partiellen (teilweisen) Bruch. Eine andere Einteilung (nach Laer) beschreibt, ob die Bruchteile verschoben sind (Typ 1 = unverschoben bis Typ 4 = in 3 Ebenen verschoben).

Komplikationen

In 10–20 % der Fälle kommt es bei Oberarmbrüchen zu Schädigungen der großen Armnerven. Insbesondere der Speichennerv (N. radialis) wird bei Brüchen häufig überdehnt, eingeklemmt oder gar durch Bruchenden angespießt. Auch bei eventuell notwendigen Operationen ist der Nerv gefährdet. Oberarmbrüche knapp oberhalb des Ellenbogengelenks schädigen dagegen eher den Ellennerv (N. ulnaris).

Diagnosesicherung

Meist lassen bereits die klinischen Zeichen (sichere Zeichen eines Knochenbruchs) auf einen Oberarmbruch schließen; bei einem offensichtlichen Bruch verzichtet der Arzt auf unnötige Manipulationen am Arm.

Um eine Nerven- oder Gefäßverletzung nicht zu übersehen, prüft der Arzt allerdings immer den sogenannten DMS-Status, d. h. die Durchblutung, die Motorik und die Sensibilität des betroffenen Arms.

  • Bei einem Oberarmschaftbruch nimmt besonders oft der in der Nähe verlaufende Speichennerv (N. radialis) Schaden. Bemerkbar macht sich dies durch die sog. Fallhand, bei der der Patient den von diesem Nerv motorisch versorgten Handrücken und die ersten drei Finger (Daumen bis Mittelfinger) nicht strecken kann, weshalb Hand und Finger schlaff vom angehobenen Unterarm herabhängen.
  • Bei Brüchen am Ellbogengelenk sind zwei weitere Nerven in Gefahr. Bei Schädigung des Ellennervs (N. ulnaris) kommt es zu Störungen der Handinnenmuskeln und zu Gefühlsstörungen an der Handaußenseite. Ist der N. medianus betroffen, droht die Lähmung von Ringfinger und kleinem Finger. Da diese dann nicht mehr ausgestreckt werden können, spricht man auch von einer "Schwurhand". Außerdem ist die Sensibilität von Daumen und Zeigefingerkuppe gestört.
  • Ob die Armarterie (A. brachialis) in Mitleidenschaft gezogen wurde, erkennt der Arzt beim Tasten des Pulses an der A. radialis und der A. ulnaris am Handgelenk.

Sicher diagnostiziert wird der Oberarmbruch mit einer Röntgenaufnahme, meist in 2 Ebenen (von vorn und von der Seite, manchmal auch zusätzlich schräg von der Seite). Zur besseren Therapieplanung veranlasst der Arzt bei einem unteren Oberarmbruch meist ein CT oder – vor allem bei Kindern – ein MRT.

Bei Verdacht auf Begleitverletzungen sind verschiedene zusätzliche Untersuchungen erforderlich. Nervenverletzungen klärt der Arzt mittels EMG (Elektromyografie) und/oder ENG (Elektroneurografie) ab, bei Verdacht auf eine Gefäßschädigung kommt die Doppler-Sonografie oder eine Angiografie (das ist die Röntgenuntersuchung bestimmter Gefäße mithilfe von injiziertem Röntgenkontrastmittel) zum Einsatz. Weichteilverletzungen wie z. B. ein Riss der Rotatorenmanschette lassen sich wiederum gut durch eine Ultraschalluntersuchung des Schultergelenks erkennen.

Differenzialdiagnosen. Ähnliche Beschwerden werden z. B. verursacht durch eine Prellung des Oberarms oder des Ellbogengelenks, Schultergelenkverrenkung, Ellenbogengelenkverrenkung, Speichenköpfchenbruch oder Ellenhakenbruch.

Behandlung

Oberarmbrüche bei Erwachsenen

Oberarmschaftbruch. Prinzipiell lassen sich Oberarmschaftbrüche konservativ mit Ruhigstellung oder operativ behandeln. Welcher Methode der Vorzug gegeben wird, hängt von der Art der Verletzung, vom Zustand und Alter des Patienten und von dessen funktionellen Ansprüchen ab. Generell werden z. B. ältere Patienten mit unverschobenen Brüchen eher konservativ behandelt, etwa mit einem Oberarm-Brace (Oberarmhülse).

  • Konservative Behandlung. Zunächst wird der Arm etwa 7 bis 10 Tage lang in einer Schulter-Arm-Bandage oder einer Oberarmgipsschiene ruhiggestellt, damit er abschwillt und die Schmerzen nachlassen. Da Oberarmbrüche sehr schmerzhaft sind, verordnet der Arzt Schmerzmittel wie Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ), Paracetamol (z. B. ben-u-ron® oder Paracetamol-ratiopharm®) oder Metamizol (z. B. Novalgin®). Zur weiteren Ruhigstellung bekommt der Patient anschließend für 4 bis 6 Wochen (in Ausnahmefällen auch länger) einen sog. Oberarm-Brace. Dieser lässt Schulter und Ellenbogengelenk frei und darf einmal täglich kurz zur Körperpflege abgenommen werden. Mithilfe von Krankengymnastik bleiben Ellbogengelenk und Schultergelenk beweglich, zunächst mit passiven, später mit aktiven Bewegungsübungen.
  • Operative Behandlung. Bei verschobenen Brüchen erfolgt die Behandlung fast immer operativ mit osteosynthetischen Verfahren. Eine eindeutige Operationsindikation besteht auch bei begleitenden Gefäß- oder Nervenverletzungen und offenen Brüchen. Der Arzt richtet den Bruch ein und stabilisiert ihn anschließend mit Platten, Kirschner-Drähten und Schrauben oder einem Nagel, den er in die Markhöhle des Knochens einführt (Marknagel). Schwere Weichteilverletzungen erfordern gelegentlich die Anlage eines äußeren Spanners (Fixateur externe). Ziel ist eine übungsstabile Versorgung, das heißt, dass der der Bruch so gut stabilisiert wird, dass der Patient ohne weitere Ruhigstellung frühzeitig mit Bewegungsübungen beginnen kann.

Bruch des unteren Oberarmendes. In der Regel empfehlen die Ärzte hier die operative Versorgung, da durch die starke Hebelwirkung am Ellenbogengelenk Fehlstellungen drohen. In Frage kommen, wie bei den anderen Oberarmbrüchen, osteosynthetische Verfahren, bei denen der Knochen mit Kirschner-Drähten, Schrauben oder Platten stabilisiert wird. Bei älteren Patienten mit Trümmerbrüchen rät der Arzt manchmal auch zum Einpflanzen einer Endoprothese.

Nach der Operation. Im Anschluss an eine Operation verordnet der Arzt Bewegungsübungen. Frühestens ein halbes Jahr später ist es möglich, das implantierte Material in einem kleinen Eingriff zu entfernen. Platten und Schrauben im mittleren Oberarmdrittel verbleiben meist im Körper, da eine Entfernung die benachbarten Nerven gefährdet.

Oberarmbrüche im Kindesalter

Oberarmschaftbruch. Bei Kindern werden unverschobene Brüche konservativ behandelt, in der Regel ist eine vier- bis sechswöchige Ruhigstellung notwendig. Stärker verschobene Brüche erfordern dagegen eine Operation, wobei im Kindesalter oft elastische Marknägel zum Einsatz kommen. Bei kleineren Kindern unter zehn Jahren lassen sich allerdings auch Brüche mit größeren Verschiebungen oder Achsenknicken bis zu 20° konservativ behandeln, wenn es die Schmerzintensität erlaubt. Fehlstellungen gleichen sich in diesem Alter noch mit dem späteren Knochenwachstum aus.

Brüche des unteren Oberarmendes. Die bei Kindern häufigeren Brüche des unteren Oberarmendes werden – sofern sie unverschoben sind – meist vier Wochen lang ruhiggestellt, in der Regel durch einen Oberarmgips oder eine Schlinge, die das Handgelenk am Hals fixiert (Blount-Schlinge). Verschobene Brüche und Verletzungen der Wachstumsfuge verlangen dagegen eine operative Versorgung mit Drähten, elastischen Nägeln oder äußeren Spannern.

Behandlungskomplikationen

Bei der operativen Versorgung von Oberarmbrüchen drohen Schäden an Gefäßen oder Nerven, die in der Nähe des Eingriffs verlaufen, sowie Infektionen und Schäden an der Muskulatur. Falschgelenke (sogenannte Pseudarthrosen) können sich durch mangelhafte Heilung sowohl bei der konservativen, seltener bei der operativen Behandlung ausbilden. Bei Brüchen des unteren Oberarms droht vor allem unter konservativer Therapie die Versteifung des Ellenbogengelenks.

Prognose

Die konservative Behandlung des Oberarmschaftbruchs hat eine Heilungsrate von > 70 %. Bei etwa 15 % der Patienten kommt es zu geringen Fehlstellungen, in manchen Fällen zu einem Falschgelenk (Pseudarthrose).

Brüche des unteren Oberarms heilen bei Kindern meist gut. Bei Erwachsenen kommt es vor allem bei konservativer Therapie häufiger zu bleibenden Bewegungseinschränkungen, weil die Knochen nicht immer fehlerfrei zusammenwachsen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Oberarm-Brace. Bei der konservativen Therapie eines Oberarmschaftbruchs kommt in der Regel ein Oberarm-Brace zum Einsatz. Damit die Heilung reibungslos verläuft, müssen Sie sich an einige Regeln halten:

  • Stützen Sie sich keinesfalls auf den Ellenbogen.
  • Solange der Bruch nicht klinisch verheilt ist, müssen Sie auch Ihre Schulter ruhig halten. Ihr Arzt gibt Ihnen das Go für mehr Bewegung.
  • Tragen Sie den Oberarm-Brace rund um die Uhr und legen Sie ihn nur zur Körperpflege ab. Beachten Sie unbedingt, dass dabei der betroffene Arm passiv herabhängen soll.

Reha wahrnehmen. Vor allem nach Operationen ist es sinnvoll, Reha-Angebote wahrzunehmen. So lässt sich sicherstellen, dass keine größeren Einschränkungen zurückbleiben und das Gelenk nicht versteift. Auch Maßnahmen wie Bewegungsbäder helfen, die Beweglichkeit zu erhalten. Keinesfalls sollten Sie ohne Anleitung üben, weil Sie sonst riskieren, Ihren Arm zu früh zu belasten.

Frozen Shoulder

Häufigkeit: 4

Schultersteife (Frozen Shoulder, Schulterfibrose, adhäsive Kapsulitis): Erhebliche Bewegungseinschränkung der Schulter aufgrund einer entzündlich bedingten Schrumpfung der Schultergelenkkapsel. Die Erkrankung beginnt oft mit starken, bewegungsabhängigen Schmerzen. Durch die fortschreitende Entzündung verklebt die Gelenkkapsel bis die Schulter praktisch versteift (oder "einfriert"). In vielen Fällen löst sich das Schultergelenk Monate bis Jahre nach diesem Einfrieren wieder, manche Ärzte sprechen auch vom "Auftauen". Von der primären Schultersteife sind vor allem Frauen zwischen 40 und 60 Jahren betroffen, die Ursache ist unbekannt. Die sekundäre Schultersteife entsteht aufgrund von Verletzungen der Schulter, langem Ruhigstellen, Verschleißerscheinungen oder Operationen an der Schulter.

Behandelt wird die Schultersteife mit entzündungs- und schmerzstillenden Medikamenten, einer dem jeweiligen Stadium angepassten Bewegungstherapie und/oder Kortisonspritzen in das Gelenk. Sind die Beschwerden damit nicht beherrschbar, besteht die Möglichkeit, das Gelenk in Narkose zu mobilisieren oder die Kapsel im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) zu erweitern.

Symptome und Leitbeschwerden

  • In der Frühphase Schulterschmerzen bei Bewegung des Armes, vor allem beim Anheben, dann auch in Ruhe oder nachts beim Schlafen
  • Nach und nach steigende Bewegungseinschränkung des Armes, dieser kann nicht mehr nach oben gehoben werden
  • Zum Erkrankungshöhepunkt maximale Bewegungseinschränkung (Einsteifung) der Schulter mit meist nachlassenden Schmerzen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, bei

  • sich immer stärker entwickelnden Schulterschmerzen
  • Problemen, den Arm zu heben.

Die Erkrankung

Bei der Schultersteife werden zwei verschiedene Formen unterschieden. Die primäre, idiopathische Schultersteife betrifft vor allem Frauen in den mittleren Jahren, die Ursache der Erkrankung ist unbekannt. Meist – aber nicht immer – läuft die Krankheit in mehreren Phasen ab:

  • 1. Phase (das "Einfrieren", auch Freezing Shoulder): In dieser Phase kommt es aus unbekannten Gründen zu einer Entzündung der Gelenkkapsel, die äußerst schmerzhaft sein kann. Dabei treten die Schmerzen bei Bewegungen, vor allem dem Anheben des Arms, aber oft auch in Ruhe oder nachts beim Schlafen auf. Aufgrund der Schmerzen benutzt der Patient Arm und Schulter weniger, es kommt zur Schonhaltung. Diese Phase des Einfrierens dauert etwa 4, manchmal auch bis zu 9 Monate.
  • 2. Phase (das "Gefrorensein", die eigentliche Frozen Shoulder): Als Folge der entzündlich bedingten Verklebungen und Verwachsungen schrumpft die Gelenkkapsel. Dadurch leidet die Beweglichkeit der Schulter extrem, der Patient kann den Arm kaum noch bewegen. Parallel dazu lassen die Schmerzen meist deutlich nach. Diese Phase dauert durchschnittlich etwa 4 Monate.
  • 3. Phase (das "Auftauen"): In dieser Phase gehen die entzündlichen Prozesse zurück. Es kommt zu einer langsamen Ausheilung, wobei die geschrumpfte Gelenkkapsel jedoch verkleinert zurückbleibt. Die Schmerzen sind deutlich reduziert und die Schulter wird langsam wieder beweglicher, sie taut sozusagen wieder auf. Das Auftauen braucht unterschiedlich lang, bei manchen Betroffen dauert es Jahre, bis sie die Schulter wieder normal bewegen können.

Bei der sekundären Schultersteife verklebt und schrumpft die Schultergelenkkapsel aufgrund von Schultererkrankungen wie z. B. einem Rotatorenmanschettenriss, einem Impingementsyndrom oder auch durch Operationen an der Schulter. Hier liegen in der Regel Prozesse vor, die sich nicht einfach von selbst zurückbilden, sondern im Rahmen der Grunderkrankung ablaufen und von dieser abhängig sind.

Risikofaktoren

Bekannt ist, dass die Schultersteife gehäuft bei Menschen mit Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen auftritt. Möglicher Hintergrund sind die bei diesen Stoffwechselerkrankungen dauerhaft im Körper schwelenden Entzündungsprozesse. Ein weiterer Risikofaktor ist wahrscheinlich Bewegungsmangel, der zu einer schlechteren Durchblutung und daher einer Unterversorgung des Schultergelenks führt.

Diagnosesicherung

Der Arzt lässt sich die Schulterschmerzen vom Patienten genau schildern, z. B. wie stark sie sind, wann sie auftauchen, ob sie abhängig von Bewegungen sind oder auch in Ruhe auftreten. Bei der körperlichen Untersuchung prüft er die Beweglichkeit des Arms, z. B. kann der Patient den Arm oft nicht seitlich vom Körper weg nach oben heben. Auch andere Bewegungen wie die Drehung nach innen oder außen sind häufig eingeschränkt. Besonders schmerzhaft ist der Versuch, die Hände hinter dem Rücken zusammenzubringen.

Im Ultraschall oder im MRT lassen sich die entzündlichen und degenerativen Veränderungen an Bändern, Sehnen und Gelenkkapsel gut darstellen. Im Röntgenbild sind die entzündlichen Vorgänge dagegen nicht zu sehen. Der Arzt benötigt es aber, um andere Ursachen für die Schulterprobleme oder eine sekundäre Schultersteife auszuschließen.

Differenzialdiagnose. Schmerzen in der Schulter und eine eingeschränkte Beweglichkeit kommen bei vielen Schultererkrankungen vor. Typische Beispiele sind die Kalkschulter, die Schultergelenkarthrose, Rotatorenmanschettenriss und Rotatorenmanschettensyndrom oder Oberarmkopfbruch.

Behandlung

Die zentralen Ziele bei der Behandlung sind Schmerzlinderung und Erhalt oder Wiederherstellung der Schulterbeweglichkeit. Dabei haben sich bewährt:

  • Schmerztherapie. Gegen die Schmerzen helfen schmerz- und entzündungshemmende Wirkstoffe wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®), Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ) oder Etoricoxib (z. B. Arcoxia®). Diese können in Tablettenform eingenommen werden, manche gibt es auch als Gel oder Salbe zum Einreiben.
  • Kortisoninjektion. Wenn die Beschwerden sehr stark sind, verabreicht der Arzt Kortison (z. B. Triamcinolon, z. B. Volon®) mit einer Spritze direkt in das Gelenk, um die Entzündung einzudämmen und die Schmerzen zu lindern. Kortisonspritzen werden zurückhaltend angewendet, da Kortison selbst zu einer Degeneration von Sehnen führen kann. In manchen Fällen spritzt der Arzt auch betäubende Wirkstoffe wie z. B. Lidocain, oder Mischungen aus Lidocain und Kortison.
  • Nervenblockade. Bei starken Schmerzen ist es möglich, die sensiblen Nervenfasern der Schulter zu blockieren. Dafür spritzt der Arzt betäubende Wirkstoffe wie z. B. Lidocain in die Nähe des Nervenverlaufs.
  • Krankengymnastik. Vorsichtige Dehn- und Bewegungsübungen sind dann angebracht, wenn die akuten Schmerzen nachlassen, also in Phase 2 und 3 der Erkrankung. Damit soll die Beweglichkeit der Schulter erhalten und – wenn möglich – wieder ausgebaut werden. Zu Beginn bewegt der Patient die Schulter nicht selbst, sondern die Bewegungen werden durch den Physiotherapeuten durchgeführt. Später kommen aktive Übungen dazu, z. B. das Armpendeln mit und ohne Gewicht. Bessert sich die Schultersteife unter den oben genannten Maßnahmen nicht, können eventuell folgende Verfahren die Schultersteife lösen:
  • Manipulation unter Anästhesie. Bei dieser auch Narkosemanipulation genannten Methode bewegt der Arzt die Schulter des durch eine Narkose total entspannten Patienten in alle Richtungen. Dadurch sollen sich verklebte Strukturen lösen und die Gelenkkapsel wieder weiten. Meist sind 2 bis 3 Behandlungen nötig.
  • Operation. Hier weitet der Arzt die Gelenkkapsel, indem er sie im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) an mehreren Stellen einschneidet.

Prognose

Häufig braucht die primäre Schultersteife Monate bis Jahre, bis sie ausheilt, wobei in manchen Fällen Bewegungseinschränkungen zurückbleiben. Der Verlauf bei einer sekundären Schultersteife hängt entscheidend von der zugrundeliegenden Erkrankung oder Verletzung ab.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Wärme und Kälte. Je nach Stadium helfen Wärme und Kälte. Eispacks – eingewickelt in trockene Tücher, nie direkt auf die Haut! – lindern die Schmerzen in der akuten, entzündlichen Phase. Ist es zu Einsteifungen gekommen und der akute Schmerz vorüber, profitieren viele Patienten von Wärmebehandlungen, sei es einem Wärmekissen oder auch der Bestrahlung mit einer Wärmelampe.

Konsequente Krankengymnastik. Die Schultersteife ist eine sehr langwierige Erkrankung. Um die Heilung zu beschleunigen und die Beweglichkeit zu fördern, müssen Sie die gelernten Dehn- und Bewegungsübungen täglich durchführen. Folgende Dehnübungen sind hilfreich, sie sollten vorsichtig zweimal täglich mit je etwa 20 Wiederholungen durchgeführt werden:

  • Nach hinten dehnen. Stellen Sie sich in eine offene Tür und winkeln Sie den betroffenen Arm an. Drehen Sie ihn seitlich und legen Sie die Hand auf den Türrahmen. Drehen Sie nun den Oberkörper vorsichtig vom Arm weg, dies dehnt die Gelenkkapsel nach hinten.
  • Nach vorne dehnen. Stellen Sie sich wieder in die Tür, legen Sie den Handrücken des betroffenen Arms auf das Gesäß und drücken Sie den leicht angewinkelten Ellbogen gegen den Türrahmen. Drehen Sie den Oberkörper vorsichtig in Richtung Arm und dehnen Sie damit das Gelenk nach vorn.
  • Nach oben dehnen. Legen Sie den betroffenen Arm auf eine brusthohe Ablage (z. B. ein Regal oder eine hohe Kommode). Gehen Sie langsam in die Knie, bis sich die Achselhöhle öffnet und Sie eine Dehnung spüren. Strecken Sie die Beine wieder.

Prävention

Zentrale Bedeutung bei der Entwicklung der sekundären Schultersteife hat die Ruhigstellung der Schulter. Deshalb darf der Arm nicht länger als verordnet in einer Armschlinge oder einem Verband getragen werden – auch wenn Ihnen nach einer Verletzung oder Eingriffen an der Schulter der Sinn nach Schonung steht.

Kalkschulter

Häufigkeit: 4

Kalkschulter (Periarthropathia humeroscapularis calcarea, Tendinosis calcarea): Kalkeinlagerung in der Muskel-Sehnen-Haube des Schultergelenks (Rotatorenmanschette), vor allem im Bereich der Sehne des Obergrätenmuskels (M. supraspinatus). Je nach Stadium der Erkrankung kommt es zu teils heftigen Schmerzen, die bei Armbewegungen verstärkt werden, sich aber auch nachts beim Schlafen auf der Schulter bemerkbar machen. Die Kalkschulter tritt meist zwischen 35 und 50 Jahren auf, bei Frauen etwas häufiger als bei Männern. Die Kalkablagerungen lassen sich im Ultraschall und im Röntgenbild gut nachweisen.

In der stark schmerzenden Akutphase behandelt der Arzt die Kalkschulter vor allem mit Schmerztabletten und Kortisonspritzen in das Gelenk. Häufig lösen sich die Kalkablagerungen spontan wieder auf und der Patient hat keine Beschwerden mehr. Bleibt die Heilung aus, gibt es mehrere Möglichkeiten der Behandlung. Diese reichen von Krankengymnastik oder Stoßwellen bis hin zur Entfernung des Kalks durch das sog. Needling oder (selten) eine Operation.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Starke Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit des Arms in der Akutphase
  • Schmerzen beim Liegen auf der Schulter im Schlaf
  • Im Röntgenbild erkennbare Kalkablagerungen in der Schulter als Zufallsbefund ohne begleitende Beschwerden möglich.

Wann zum Arzt

Am gleichen Tag, wenn

  • plötzlich starke Schmerzen in der Schulter und Einschränkungen der Armbeweglichkeit auftauchen.

Demnächst, wenn

  • Schulterschmerzen langsam immer stärker werden.

Die Erkrankung

Die Kalkschulter ist eine häufige Erkrankung, die sich vor allem in der Lebensmitte zeigt. Betroffen sind dabei die Sehnen der Rotatorenmanschette, also der Sehnen-Muskel-Haube, die das Schultergelenk umschließt. Zur Entstehung einer Kalkschulter gibt es aktuell zwei Theorien:

Umbau von Sehnen- zu Faserknorpelgewebe. Hier durchläuft die Erkrankung mehrere Stadien (wobei nicht jeder Patient alle 4 Phasen durchmacht):

  • Initialstadium: Aus noch ungeklärten Gründen wandelt sich bei der Kalkschulter Sehnengewebe in Faserknorpel um. Schmerzen hat der Patient in dieser Phase meist kaum.
  • Phase der Kalkeinlagerung: Stirbt der neu gebildete Faserknorpel ab, lagert sich Kalzium ein, die verkalkte Sehne schwillt an und drückt auf Nachbarstrukturen. In dieser Phase beginnen die Schmerzen, und zwar hauptsächlich, wenn der Arm bewegt wird. Da meist der M. supraspinatus von den Kalkeinlagerungen betroffen ist, schmerzt vor allem das Zur-Seite-Heben des Armes. Auch der schwellungsbedingte Platzmangel im Schultergelenk führt zu Schmerzen, dies nennt der Arzt Impingementsyndrom.
  • Resorptionsphase: Als Antwort auf den dauernden Reiz im Gelenk kommt es zu entzündlichen Prozessen. Dabei versucht der Körper, mithilfe von Immun- und Entzündungszellen das störende Kalzium abzubauen und aus der Schulter heraus zu transportieren. In dieser Phase sind durch die freigesetzten Entzündungsmediatoren (Zytokine, Prostaglandine) die Schmerzen oft besonders stark, der Betroffene kann z. B. vor Schmerz kaum auf der betroffenen Schulter liegen.
  • Reparatur: Sind die Kalkablagerungen wieder verschwunden, arbeitet der Organismus daran, das eigentliche Gewebe wiederherzustellen. Schmerzen hat der Patient in dieser Phase meist keine mehr.

Durchblutungstheorie. Einer anderen Theorie zufolge verkalkt die Sehne, weil sie in ihrem Verlauf unter dem Schulterdach lagebedingt schlecht durchblutet ist. In der Folge degeneriert die Sehne und Kalk lagert sich ein.

Ursachen und Risikofaktoren

Was die oben genannten Prozesse in der Schulter anstößt, ist noch unklar. Es gibt allerdings Risikofaktoren oder Zustände, die mit der Entwicklung von Umbauprozessen und Kalkablagerungen in Zusammenhang gebracht werden. Dazu gehören:

  • Überbelastung der Schulter, z. B. durch Sport (Handball, Speerwerfen, Kontaktsportarten) oder bestimmte Berufe (Über-Kopf-Arbeit, zum Beispiel bei Elektroinstallationen oder anderen Gewerken)
  • Verletzungen der Schulter durch Unfälle oder Stürze, etwa ein Rotatorenmanschettenriss
  • Altersbedingte Verschleißprozesse.

Komplikationen

Die wichtigste Komplikation ist die Bursitis calcarea. Diese spezielle Form der Schleimbeutelentzündung (Bursitis) entsteht, wenn ein Kalkherd in einen der Schleimbeutel einbricht und dort zu schmerzhaften Entzündungsprozessen führt. Am häufigsten ist dabei die Bursa subacromialis betroffen, das ist der Schleimbeutel, der zwischen Schultereckgelenk und der Sehne des M. supraspinatus liegt. Typisch für die Schmerzen bei Bursitis calcarea ist, dass diese unabhängig von Bewegung und Lagerung auftreten und häufig sehr stark sind. Mehr dazu unter Schleimbeutelentzündung der Schulter.

Diagnosesicherung

Schmerzen, Schonhaltung und ein Druckschmerz beim Abtasten der Schultervorderseite bringen den Arzt meist schnell dazu, eine bildgebende Diagnostik zu veranlassen. Im Röntgenbild der Schulter lassen sich die Kalkablagerungen sehr gut nachweisen, am häufigsten finden sie sich in der Nähe des Ansatzes der Sehne des M. supraspinatus am Tuberculum major des Oberarmknochens. Auch mit einer Ultraschalluntersuchung der Schulter kann der Arzt Kalkablagerungen gut erkennen.

Hinweis: Nicht jede Kalkablagerung in der Schulter muss behandelt werden. Oft sind die Depots reine Zufallsfunde im Röntgenbild. Größe und Ausmaß von radiologisch nachweisbaren Kalkherden sagen nichts darüber aus, ob der Patient behandlungsbedürftige Beschwerden hat.

Differenzialdiagnosen. Schmerzen, Schonhaltung und Bewegungseinschränkungen des Armes finden sich auch bei Schultergelenkverrenkung, Oberarmkopfbruch, Rotatorenmanschettenriss und anderen Schulterverletzungen.

Behandlung

Oberstes Ziel bei der Behandlung ist – vor allem in der akuten Phase – die Linderung der oft sehr starken Schmerzen. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten, die der Arzt je nach Ausmaß empfiehlt:

  • Orale Schmerzmittel. Gegen die Schmerzen helfen Wirkstoffe wie Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ), Paracetamol (z. B. ben-u-ron® oder Paracetamol-ratiopharm®), Coxibe wie Etoricoxib (z. B. Arcoxia®) oder auch Opioide Metamizol (z. B. Novalgin®).
  • Kortisonspritze ins Gelenk. Kortison ist schmerz- und entzündungshemmend und wird vor allem bei sehr starken Schmerzen eingesetzt. Nachdem der Arzt es in das Gelenk gespritzt hat, kommt es meist nachhaltig zur Linderung der Beschwerden. Kortisonspritzen werden allerdings zurückhaltend angewendet, da Kortison selbst zu einer Degeneration von Sehnen führen kann.
  • Ruhigstellung. Zur Ausheilung trägt die Ruhigstellung, z. B. eine Armschlinge, bei. In der Akutphase sind die Schmerzen oft so stark, dass der Patient von selbst gar nicht ans Bewegen denkt.
  • Wärme und Kälte. Ob Wärme oder Kälte die schmerzende Schulter beruhigt, hängt vom Stadium der Erkrankung ab. Überwiegen die entzündlichen Ereignisse in der Kalkschulter ist Wärme ungünstig, weil es die Durchblutung und damit auch die Entzündung zusätzlich anheizt. In diesem Stadium helfen Kühlpacks besser. Wärme hilft dagegen, wenn nichtentzündliche Dauerschmerzen quälen. Sie entspannt die Muskeln und verbessert die Durchblutung, was die Schmerzen häufig lindert.
  • Strahlentherapie. Treten die Schmerzen erstmals auf, raten manche Ärzte zur Strahlentherapie. Sie fördert die Entzündungsreaktion und hilft dem Körper, den Kalk abzubauen. Allerdings ist bei einer Strahlentherapie das Tumorrisiko (minimal) erhöht, weshalb diese Form der Behandlung eher für Patienten im fortgeschrittenen Alter geeignet ist. Die Strahlentherapie muss der Patient selbst bezahlen, sie ist eine IGeL-Therapie.
  • Physiotherapie. Gezielte Übungen helfen, die Schulter beweglich zu halten und den Muskelabbau zu verhindern. Außerdem regen sie die Durchblutung an, was Abbau und Abtransport des störenden Kalks unterstützt. Mechanisch zerstören können diese Übungen die Kalkablagerungen jedoch nicht.

In vielen Fällen reicht die Behandlung der akuten Schmerzen mit oben genannten Mitteln aus und die Kalkschulter heilt spontan, indem sich die Ablagerungen innerhalb von Wochen und Monaten von selbst auflösen. Sind die Beschwerden durch Kühlen, Ruhigstellen, Schmerzmittel und Kortisonspritze nicht beherrschbar oder quält die Kalkschulter dauerhaft, versuchen die Ärzte, den Kalk mit folgenden Verfahren aus der Schulter zu entfernen:

  • Extrakorporale Stoßwellentherapie. Stoßwellen zertrümmern den Kalk in kleinste Teilchen und regen die Durchblutung an. Auf diese Weise unterstützen sie die körpereigenen Abbauprozesse. In 40 bis 70 % der Fälle kann die Stoßwellentherapie die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit des Arms wieder verbessern. Meist sind 3 Termine nötig. Zeigt sich nach 3 Monaten kein Erfolg der Behandlung, sollte diese abgebrochen werden. Die Stoßwellentherapie wird bei der Kalkschulter in der Regel nicht von den Krankenkassen bezahlt, der Patient muss die Kosten also selbst tragen.
  • Kalkneedling. Bei größeren Kalkdepots oder hartnäckigen Verläufen empfehlen manche Ärzte das Kalkneedling. Beim ultraschallgesteuerten Kalkneedling (auch ultraschallgestützte Nadellavage genannt) führt der Arzt unter Live-Ultraschallkontrolle eine Spezialnadel in das Gelenk ein, zerstört den Kalk mechanisch und saugt ihn mithilfe einer Spülflüssigkeit ab. Die Ergebnisse dieses relativ neuen Verfahrens sollen mit denen der arthroskopischen Operation vergleichbar sein. In der älteren, klassischen Variante des Needlings wird das Zerstoßen des Kalks mittels gleichzeitiger Röntgendarstellung in Echtzeit kontrolliert. Nachteile des klassischen Needlings sind die Strahlenbelastung und die Tatsache, dass die Kalkdepots hier nur zerstoßen und nicht abgesaugt werden.
  • Operation. Die Kalkschulter kann minimal-invasiv oder offen über einen konventionellen Hautschnitt operiert werden.
  • Arthroskopische Kalkdepotentfernung. Bei diesem Eingriff werden die Kalkablagerungen arthroskopisch entfernt. Dabei schiebt der Operateur über einen kleinen Hautschnitt ein Endoskop mit Kamera in das Gelenk, ortet die Kalkdepots, schabt diese mit einem scharfen Löffel ab (ebenfalls über das Endoskop) und spült das Gelenk gut aus.
  • Offene Operation. Hier erfolgt der Zugang zum Gelenk und die Entfernung der Kalkablagerungen über einen konventionellen Hautschnitt und die Zertrennung von Fett- und Muskelschichten. Der Eingriff kann in Vollnarkose, aber auch unter lokaler Betäubung erfolgen.

Prognose

Der Verlauf bei der Kalkschulter ist höchst variabel. Bei vielen Patienten heilt sie durch Auflösung der Kalkablagerungen im Verlauf von einigen Wochen bis Monaten von allein aus. Machen die Ablagerungen jedoch dauerhaft Beschwerden, sollte man die Therapie nicht zu lange aufschieben, damit sich keine Arthrose entwickelt.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Ernährung. Um entzündliche Prozesse einzudämmen, soll bei der Kalkschulter – ebenso wie bei Arthrose – eine gesunde, ausgewogene Ernährung hilfreich sein. Speziell wird der Verzicht auf Schweinefleisch und große Mengen von Kaffee, Alkohol, Butter und Eiern empfohlen. Entzündungshemmende Effekte werden dagegen Kräutern wie Anis, Fenchel und Kurkuma nachgesagt.

Nützliche Muskelübungen. Patienten mit einer Kalkschulter profitieren von regelmäßigem Schulter- und Armtraining. Die richtigen Übungen fördern die Beweglichkeit der Schulter und beugen dem Versteifen des Gelenks vor, stärken die Muskelkraft und fördern die Durchblutung. Wichtig dabei ist, nie mit Schmerzen zu trainieren. Im Zweifel lassen Sie sich Übungen von einem Physiotherapeuten zeigen. Mögliche Übungen sind:

  • Dehnübung: Eine Hand über den Kopf hinweg auf den eigenen Rücken legen. Dann mit der anderen Hand den Ellbogen für etwa 10 s sanft in Richtung Kopf ziehen, um die Muskulatur zu dehnen.
  • Kräftigungsübung: Vor eine Wand stellen, die Oberarme liegen am Körper, die Unterarme werden nach vorne angehoben und gegen die Wand gedrückt. Kurz halten, mehrfach täglich wiederholen.
  • Beweglichkeitstraining: Gut für die Beweglichkeit der Schulter ist das Pendeln der Arme im Stehen oder Sitzen. Nimmt man dabei ein leichtes Gewicht in die Hand, wird der Arm nach unten gezogen und der Gelenkspalt etwas weiter, wodurch sich die reibungsbedingten Schmerzen verringern.

Akupunktur. Manchen Kalkschulter-Patienten hilft auch die Akupunktur. Sie soll die Schmerzen lindern und durch energetische Anregung im Gewebe den Abtransport des Kalziums fördern. Einen wissenschaftlichen Nachweis für diese Effekte gibt es jedoch nicht.

Oberarmkopfbruch

Oberarmkopfbruch (Humeruskopffraktur, proximale Oberarmfraktur): Knochenbruch im Bereich des Oberarmkopfs, meist infolge eines Sturzes. Ein Oberarmkopfbruch betrifft besonders häufig ältere Menschen, deren Knochen durch Osteoporose vorgeschädigt sind. Typische Beschwerden sind Schmerzen beim Bewegen des Arms, außerdem kann der Arm nicht angehoben werden.

Unverschobene Brüche behandelt der Arzt konservativ mit kurzfristiger Ruhigstellung, verschobene werden operiert. Vor allem einfache Verletzungen heilen in der Regel problemlos; verbliebene Fehlstellungen im Bereich der Gelenkfläche führen jedoch manchmal zur Arthrose des Schultergelenks.

Symptome und Leitbeschwerden

Nach Sturz oder Unfall:

  • Schwellung, starker Druckschmerz, oft auch Blaufärbung der Haut durch Bluterguss im Bereich des oberen Oberarmdrittels
  • Stark schmerzhafte Bewegungseinschränkung von Schulter und Oberarm
  • Der verletzte Arm wird meist instinktiv mit dem gesunden Arm am Brustkorb (fest-)gehalten.

Wann zum Arzt

Gleich nach dem Sturz oder Unfall, wenn

  • oben beschriebene Beschwerden auftreten.

Erste Hilfe

Die schmerzende Stelle sofort mit Umschlägen, Eisbeuteln oder Kühlpacks zu kühlen, bringt oft Schmerzerleichterung. Beim Transport zum Arzt ist es empfehlenswert, den verletzten Arm in angewinkelter Stellung vorsichtig mit einem Tuch oder Kleidungsstück am Körper zu fixieren.

Die Erkrankung

Ein Oberarmkopfbruch ereignet sich in den meisten Fällen bei einem Sturz auf die Schulter oder den ausgestreckten Arm. Ältere Frauen sind häufig betroffen, da sie oft unter einer Osteoporose leiden und ihre Knochen deshalb brüchiger sind. Bei jüngeren Menschen mit gesunder Knochenstruktur kommt es nur bei größerer Krafteinwirkung zu einem Oberarmkopfbruch, etwa beim Sturz aus großer Höhe oder bei Reit- und Motorradunfällen.

Formen und Klassifikation

Am Oberarmkopf lassen sich verschiedene Zonen unterscheiden, dazu gehören

  • das Collum anatomicum, der "echte Hals". Er liegt direkt unter der Gelenkfläche und dient der Gelenkkapsel als Ansatz
  • das Collum chirurgicum, der "chirurgische Hals". Damit ist der verschmälerte Übergang vom Oberarmkopf zum Schaft bezeichnet, der besonders leicht bricht. Ein Bruch an dieser Stelle wird auch subkapitale Humerusfraktur genannt
  • Tuberculum majus und minus, also kleiner und großer Knochenvorsprung. Diese beiden Knochenvorsprünge sind wichtige Ansatzstellen von Sehnen der Schulter- und Armmuskeln.

Bei einem Oberarmkopfbruch können diese Teile einzeln oder in Kombination (ab)brechen (2-Fragment-Fraktur, 3-Fragmentfraktur), sind es noch mehr Bruchteile, spricht man von einem Trümmerbruch. Außerdem ist wichtig, ob die betroffenen Bruchteile verschoben sind (dislozierter Bruch) und ob der Gelenkkopf aus dem Schultergelenk ausgekugelt ist (Luxationsbruch oder -fraktur).

All diese verschiedenen Brüche werden in diversen Klassifikationen beschrieben. Am häufigsten verwenden die Ärzte die Klassifikation nach Neer (Neer 1: nicht oder minimal dislozierte = verschobene Fraktur) und Neer 2–6: dislozierte Frakturen (verschobene Brüche mit unterschiedlich vielen Fragmenten). Gebräuchlich ist aber auch die AO-Klassifikation der proximalen Humerusfrakturen (Regio 11). Beide Klassifikationen dienen vor allem der Beschreibung, lassen jedoch keine Aussagen über den Heilungsverlauf zu.

Komplikationen

Eine unbehandelte, starke Fehlstellung nach Bruch des Oberarmkopfes führt oft zu bleibenden Bewegungseinschränkungen und einem schnellen Verschleiß des Schultergelenks (posttraumatische Arthrose), weil Kopf und Pfanne nicht mehr zusammenpassen. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Oberarmkopf infolge einer gestörten Blutversorgung (zumindest teilweise) abstirbt (Humeruskopfnekrose). Auch hier sind als langfristige Folge Bewegungseinschränkungen und Arthrose zu erwarten.

Diagnosesicherung

Die bewegungsabhängigen Schmerzen und die Unfähigkeit, den Arm anzuheben weisen den Arzt deutlich auf ein Geschehen an Schulter oder Oberarm hin. Gesichert wird die Diagnose mit Röntgenbildern. Dabei lässt sich nicht nur der genaue Verlauf des Bruchs erkennen, sondern auch, ob der Bruch verschoben und/oder die Gelenkfläche des Oberarmkopfs betroffen ist.

Um eine Nerven- oder Gefäßverletzung nicht zu übersehen, prüft der Arzt den sogenannten DMS-Status, d. h. die Durchblutung, die Motorik und die Sensibilität des betroffenen Arms. Bei einem Oberarmkopfbruch nimmt besonders oft der in der Nähe verlaufende N. axillaris Schaden, weshalb der Arzt insbesondere die Hautempfindlichkeit über der äußeren Schulter prüft. Motorisch zeigt sich eine Schädigung des N. axillaris dadurch, dass der Arm nicht nach außen gedreht und vom Körper abgespreizt werden kann, wobei in der Akutphase der Verletzung auf diese Untersuchung verzichtet wird. Ob der verschobene Oberarmschaft die Armarterie abdrückt, erkennt der Arzt beim Tasten der Pulse der beiden Armarterien A. radialis und A. ulnaris am Handgelenk.

Weitere bildgebende Untersuchung wie z. B. eine CT-Aufnahme sind erforderlich, wenn der Oberarmkopfbruch operativ versorgt werden muss (siehe "Behandlung"). Außerdem veranlasst der Arzt bei Verdacht auf Nervenverletzungen ein EMG (Elektromyografie) und/oder ein ENG (Elektroneurografie), bei Verdacht auf eine Gefäßschädigung die Doppler-Sonografie oder eine Angiografie (das ist die Röntgenuntersuchung bestimmter Gefäße mithilfe von injiziertem Röntgenkontrastmittel) und bei Verdacht auf Weichteilverletzungen wie z. B. den Riss der Rotatorenmanschette eine Ultraschalluntersuchung des Schultergelenks.

Differenzialdiagnose. Bewegungseinschränkungen und Schmerzen im Bereich von Schulter und Oberarm sind Anzeichen verschiedener Verletzungen, z. B. Schultereckgelenkverrenkung, Schlüsselbeinbruch, Oberarmbruch, Schultergelenkarthrose oder Verletzungen der Rotatorenmanschette.

Behandlung

Konservative Behandlung

Unverschobene Brüche lassen sich meist konservativ behandeln: An eine maximal einwöchige Ruhigstellung im Schulter-Arm-Verband (z. B. Gilchrist-Verband) schließt sich eine krankengymnastische Übungsbehandlung an, um eine Versteifung des Schultergelenks zu vermeiden. Dabei werden zunächst nur Ellenbogen und Hand bewegt, ab etwa der zweiten Woche kommen Pendelübungen des Arms dazu. Ab der 3. Woche geht es los mit passiven und aktiven, belastungsfreien Bewegungen der Schulter, ab der 8. Woche trainiert der Patient aktiv mit steigender Belastung und ab Woche 11 beginnt der Reha-Sport.

In der Frühphase der Heilung droht durch die Bewegung eine Verschiebung der Bruchteile. Um dies nicht zu übersehen, werden Schulter und Oberarm regelmäßig geröntgt, z. B. am 4., 7. und 11. Tag nach Verletzung sowie 6 Wochen später.

Operative Behandlung

Die operative Therapie ist z. B. erforderlich bei

  • Gefäß- und Nervenverletzungen
  • Luxationsfrakturen (ausgekugelter Gelenkkopf)
  • offenen Brüchen, Brüchen mit schwerem Weichteilschaden
  • stark verschobenen Brüchen.

Bei der operativen Behandlung lässt sich prinzipiell zwischen einer gelenkerhaltenden Operation (Osteosynthese) und dem Ersatz des Gelenks durch eine Endoprothese unterscheiden. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von der Art der Verletzung, aber auch vom Patienten selbst ab, z. B. von seinem Alter, seinem Gesundheitszustand und der Qualität seiner Knochen (Vorliegen einer Osteoporose).

Osteosynthese. Die knochenerhaltende Operation erfolgt im Rahmen einer Gelenkspiegelung oder offen über einen Hautschnitt. Dabei richtet der Arzt den Bruch ein und stabilisiert ihn mithilfe von Drähten, Schrauben, Platten oder speziellen Nägeln. Anschließend ist es in der Regel rasch wieder erlaubt, den operierten Arm zu bewegen. Eine Materialentfernung empfiehlt sich frühestens nach sechs Monaten. Sie entfällt manchmal ganz, wenn die Implantate nicht stören.

Endoprothese. Gelegentlich lässt sich die Gelenkfläche des Oberarmkopfs nicht wiederherstellen, insbesondere dann, wenn ein Trümmerbruch besteht oder die Gelenkfläche so flach abgesprengt ist, dass darin keine Drähte oder Schrauben Halt finden. In diesem Fall, wie auch beim Auftreten einer Humeruskopfnekrose (Absterben des Oberarmkopfs, ähnlich der Hüftkopfnekrose) bleibt oft nur die Möglichkeit, den Oberarmkopf ganz zu entfernen und durch eine Prothese zu ersetzen:

  • Hemiprothese mit alleinigem Ersatz des Oberarmkopfes
  • Kompletter Gelenkersatz, meist als inverse Prothese. Hierbei befindet sich der Prothesenkopf am Schulterblatt und die Gelenkpfanne im Oberarmkopf. Diese Form der Prothese findet vor allem bei zusätzlich geschädigter Rotatorenmanschette Verwendung.

Komplikationen der operativen Behandlung

Während und nach der operativen Versorgung des Oberarmkopfbruchs sind z. B. folgende Komplikationen möglich:

  • Schädigung von Nerven während der Operation (hier vor allem des N. axillaris)
  • Wundheilungsstörungen und Infektionen
  • Reduzierte Knochenheilung, Ausbildung eines sog. Falschgelenks (Pseudarthrose)
  • Implantatversagen wie Bruch einer Schraube oder einer Platte
  • Entwicklung einer Humeruskopfnekrose
  • Funktionseinschränkung wie z. B. Versteifung der Schulter (Schultersteife).

Prognose

Die Prognose nach einem Oberarmkopfbruch ist individuell sehr verschieden und hängt von der Art des Bruches, der Behandlung und dem Zustand des Patienten ab. Einfache Verletzungen heilen meist problemlos. Je mehr Fragmente der Bruch hat, desto größer ist jedoch das Risiko, dass die Funktion der Schulter nicht mehr komplett hergestellt werden kann. So können etwa 10 bis 20 % der Patienten nach einem Oberarmkopfbruch ihren Oberarm nicht mehr bis zur Senkrechten hochheben.

Ihr Apotheker empfiehlt

Sport

Zunächst gilt es, mithilfe der Krankengymnastik Schulter und Arm in Bewegung zu halten und vorsichtig die Muskulatur zu stärken. Ab der 11. Woche nach der Verletzung darf es bei konservativer Behandlung mit dem Rehasport losgehen. "Normaler" Sport ist ab dem 4. Monat erlaubt, erst zyklische Sportarten (das ist Sport mit wiederholten Bewegungen wie Laufen, Walken, Radfahren oder Rudern). Azyklische Bewegungen, bei denen das Bewegungsziel durch eine einmalige Aktion wie Springen oder Werfen erreicht wird, dürfen frühestens ab dem 6. Monat nach Verletzung wieder aufgenommen werden. Fragen Sie Ihren Arzt, welcher Sport für Sie am besten geeignet ist und wann Sie ihn aufnehmen dürfen.

Prävention

Sturzprophylaxe. Sei es aufgrund von Schwindel, Sehschwäche, Bewegungseinschränkung durch Arthrose oder generellem Abbau der Leistungsfähigkeit – alte Menschen stürzen leichter, die Folge sind häufig Knochenbrüche. Um dies zu verhindern, gibt es gute Konzepte zur Sturzprophylaxe. Sie reichen von Geh-Hilfen über Hüftprotektoren bis hin zum Auffinden und Wegräumen von Stolperfallen in der Wohnung. Lassen Sie sich vom Hausarzt oder Pflegepersonal dazu beraten, detaillierte Informationen finden Sie im Artikel Stürze und Sturzprophylaxe.

Knochen stärken. Menschen mit einer Osteoporose sind besonders gefährdet, bei Stürzen Knochenbrüche zu erleiden. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob es sinnvoll ist, Ihre Knochendichte messen zu lassen. Liegt eine Osteoporose vor, sollte diese behandelt werden. Dazu gibt es verschiedene Medikamente, aber auch spezielles Training (Vibrationstraining, Wassergymnastik) und eine kalzium- und vitaminreiche Ernährung sind hilfreich. Detaillierte Tipps zum Stärken Ihrer Knochen finden Sie im Artikel Osteoporose.

Weiterführende Informationen

  • www.schulterchirurgie.de – Internetseite der ATOS Praxisklinik, Heidelberg: Unter der Rubrik Schwerpunkte finden Sie einen guten Überblick zu den Therapiemöglichen der verschiedenen Schultererkrankungen.

Rotatorenmanschettensyndrom

Rotatorenmanschettensyndrom (PHS, Periarthropathia humeroscapularis, Subacromialsyndrom, SAS, Engpasssyndrom der Schulter und Supraspinatussehnensyndrom, SSPS): Sammelbegriff für degenerative (verschleißbedingte) Veränderungen im Schulterbereich, die nicht das Schultergelenk selbst, sondern die umgebenden Weichteile betreffen. Die Erkrankung äußert sich in schmerzhaften Reizzuständen, Entzündungen und Einrissen. Sie betrifft v. a. den Muskelmantel (Rotatorenmanschette), den darunter liegenden Schleimbeutel und die lange Bizepssehne. Die PHS ist jenseits des 40. Lebensjahrs ein häufiger Befund und verläuft meist chronisch oder in wiederkehrenden Schüben. Die Behandlung erfolgt zunächst konservativ, bei anhaltenden Beschwerden auch operativ, z. B. durch Naht von Rissen in der Rotatorenmanschette.

Leitbeschwerden

  • Diffuse Schulterschmerzen bei bestimmten Bewegungen, meist bei Anheben, Abspreizen und Einwärtsdrehen des Arms
  • Nächtliche Schulterschmerzen, besonders beim Liegen auf der betroffenen Schulter
  • Schmerzausstrahlung in den Arm
  • Schmerzhafte Bewegungseinschränkung, v. a. beim Abspreizen des Arms zwischen 60–120° (schmerzhafter Bogen)
  • Bei Bizepssehnenreizung Schmerzverstärkung bei Beugung und Auswärtsdrehung des Unterarms
  • Bei akutem Riss in der Rotatorenmanschette plötzlicher, heftiger Schulterschmerz, etwa beim Heben einer Last oder beim Sport; anschließend schmerzhafte Bewegungseinschränkung.

Wann zum Arzt

Innerhalb der nächsten Wochen, wenn mäßige, aber hartnäckige Beschwerden im Schulterbereich bestehen

Innerhalb der nächsten Tage, wenn die Beschwerden plötzlich beim Heben einer Last oder beim Sport begonnen haben oder die Schulterschmerzen sehr stark sind und/oder eine ausgeprägte Bewegungseinschränkung besteht.

Die Erkrankung

PHS umfasst mehrere Krankheitsbilder, die sich sehr ähneln, wobei die Ursache in vielen Fällen ungeklärt bleibt. Gelegentlich tritt sie nach einer längeren Ruhigstellung des Schultergelenks auf, etwa bei Verletzungen oder schweren Entzündungen. Eine auffallende Häufung findet sich auch nach schweren Belastungen des Schultergelenks, z. B. nach jahrelangem Umgang mit Presslufthämmern oder berufsbedingtem Heben schwerer Lasten.

Das Schultergelenk ist eingebettet in die Rotatorenmanschette, einen kräftigen Mantel aus vier Muskeln und Sehnen, die den Arm im Gelenk drehen. Unter der Rotatorenmanschette liegt an der Vorderseite der Schulter die lange Bizepssehne; durch sie ist der Bizepsmuskel oberhalb der Schultergelenkspfanne am Schulterblatt befestigt. Teile der Rotatorenmanschette und die lange Bizepssehne ziehen durch eine anatomische Engstelle, die subacromiale Enge. Sie liegt zwischen dem Oberarmkopf und dem Schulterdach, bestehend aus der Schulterhöhe (Acromion), dem Rabenschnabelfortsatz des Schulterblatts und einem beide verbindenden Band. Außer den Sehnen liegt im subacromialen Raum als Puffer noch ein Schleimbeutel, die Bursa subacromialis. Bei manchen Menschen ist die Enge besonders schmal, weil die Spitze der Schulterhöhe relativ stark bogen- oder hakenförmig nach unten zeigt. Mit zunehmendem Alter geschieht es häufig, dass sich die Sehnen in der Engstelle des subacromialen Raums allmählich aufreiben. Gelegentlich klemmen sie sich sogar zwischen Oberarmkopf und Schulterdach ein, insbesondere beim Anheben und Abspreizen des Arms. Ärzte sprechen dann von einem Impingement-Syndrom (subacromiales Impingement).

Zum Krankheitsbild der PHS gehören auch Schwellungen und Entzündungen der Sehnen und des Sehnengleitgewebes, Schleimbeutelentzündungen (Bursitis subacromialis) sowie Reizzustände und Risse der Rotatorenmanschette (Rotatorenmanschettenruptur). Besonders häufig ist die Sehne des Supraspinatusmuskels betroffen, der das Dach der Rotatorenmanschette bildet. Sind die Sehnen stark geschädigt, reißen sie manchmal schon bei kleineren Belastungen, z. B. Hebearbeiten oder beim Sport.

Bei längerem Krankheitsverlauf mit wiederholten, entzündlichen Reaktionen bilden sich oft Verkalkungen (Kalkschulter, Bursitis calcarea, Tendinitis calcarea) und bindegewebige Verklebungen oder Verwachsungen der Schulterweichteile (Schulterfibrose). Sie schränken die Beweglichkeit der Schulter, die ohnehin durch die Schmerzen vermindert ist, zusätzlich ein. Am Ende steht manchmal die völlige Schultersteife.

Ein weiteres Krankheitsbild mit Versteifung der Schulter, das im engeren Sinn nicht zur PHS zählt, ist die adhäsive Kapsulitis oder frozen shoulder, bei der aus ungeklärter Ursache eine heftige Schultergelenkentzündung mit Beteiligung der Gelenkschleimhaut, der Gelenkkapsel und oft auch der langen Bizepssehne besteht. Die adhäsive Kapsulitis verläuft akuter als die vorgenannten Formen der PHS, ist jedoch weniger hartnäckig und heilt meist spontan nach einigen Monaten bis maximal zwei Jahren wieder aus.

Eine Sonderform der PHS stellt die Sportlerschulter (Werferschulter, Schwimmerschulter) dar. An ihr leiden in erster Linie Sportler, die wiederholten und vermehrten Überkopfbelastungen ausgesetzt sind. Das betrifft alle Wurfsportarten wie Volleyball und Handball, den Schwimmsport, aber auch Tennis, Badminton und Squash. Die einseitige Überkopfbeanspruchung der Schulter führt zu einem Ungleichgewicht der verschiedenen Muskelgruppen und zu Weichteilschäden. Der vordere und obere Kapselbandapparat wird überdehnt; der hintere Kapselbandapparat und die hintere Schultermuskulatur verkürzen sich. Dadurch kommt es häufig zu Abrissen der oberen Anteile der Schultergelenklippe, den SLAP-Läsionen. Diese Verletzungen führen wiederum zu einem Höhertreten des Oberarmkopfs. Das führt zu einer Einengung des Raums zwischen Schulterhöhe und Oberarmkopf und es kommt zum Impingement-Syndrom. Manchmal wird dabei der Schleimbeutel gereizt und entzündet sich (Bursitis subacromialis oben). Auch (Teil-)Rupturen der Rotatorenmanschette kommen vor.

Für viele Betroffene erschreckend, jedoch harmlos ist das Schulter[blatt]krachen. Die bewegungsabhängigen, knirschenden oder krachenden Geräusche entstehen durch ein Reiben zwischen Schulterblatt und Brustkorbmuskulatur. Eine seltene Ursache solcher Geräuschphänomene sind knöcherne Ausbuchtungen an der Unterseite des Schulterblatts. Bei häufigem Schulterkrachen entsteht unter dem Schulterblatt manchmal ein chronisch entzündeter Schleimbeutel, der eventuell Schmerzen verursacht. In diesem Fall helfen meist Wärmeanwendungen oder Reizstrom, in hartnäckigen Fällen auch Injektionen mit lokalen Betäubungsmitteln und Kortisonpräparaten. Treten keine Schmerzen auf, erübrigt sich eine Therapie.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Das Ertasten der Hauptschmerzpunkte, v. a. rund um die Schulterhöhe, bei Reizung der langen Bizepssehne manchmal auch an der Vorderseite des Schultergelenks, gibt dem Arzt erste Hinweise darauf, welche Strukturen der Schulter gereizt oder verletzt sind. Funktionstests zeigen meist eine Schmerzverstärkung beim Auswärts- oder Einwärtsdrehen und beim Heben und Abspreizen des Arms gegen Widerstand. Durch einen Ultraschall erkennt der Arzt krankhafte Veränderungen der Schulterweichteile wie Sehnenentzündungen oder Defekte der Rotatorenmanschette. Röntgenaufnahmen dienen dem Ausschluss knöcherner Verletzungen; außerdem machen sie mögliche Verkalkungen im Bereich der Sehnen oder der Schleimbeutel (Bursa subacromialis) sichtbar. Ein Hochstand des Oberarmkopfs im Röntgenbild gilt als indirektes Zeichen einer Schädigung der Rotatorenmanschette. Manchmal erfordert die genaue Abklärung der Beschwerden ein CT oder Kernspin der Schulter, bei Bedarf mit Injektion von Luft oder Kontrastmittel in das Schultergelenk als Arthro-CT bzw. Arthro-MRT; beide machen durch den Luft- oder Kontrastmittelaustritt ins umgebende Gewebe Risse und Verletzungen von Kapsel und Rotatorenmanschette sichtbar.

Konservative Behandlung. Basis der Behandlung ist bei der PHS ein regelmäßiges, behutsames Bewegen der Schulter unterhalb der Schmerzgrenze, wie es z. B. im Rahmen einer Schulterschule gelehrt wird. Forcierte Krankengymnastik und Massagen verstärken die Beschwerden eher als sie zu lindern.

Begleitend verordnet der Arzt meist Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung (NSAR). Zu einer raschen Schmerzlinderung führen auch Injektionen mit Lokalanästhetika (z. B. Lidocain) oder Kortisonpräparaten in den Schleimbeutel oder in das Sehnengleitgewebe. Als physikalische Therapiemaßnahmen haben sich bei akuten Schmerzen Kälteanwendungen bewährt, bei chronischen Beschwerden Anwendungen mit Wärme (Rotlicht, Fangopackungen, warme Bäder), darüber hinaus Reizstrom- und Ultraschallbehandlungen sowie TENS-Therapie (Nervenstimulation). Eine extrakorporale Stoßwellentherapie bringt etwa 60 % der kleinen Kalkablagerungen zum Verschwinden.

Operative Behandlung. Bei Versagen der konservativen Therapie besteht die Möglichkeit, die subacromiale Enge operativ zu beseitigen (Acromioplastik). Dabei entfernt der Arzt teilweise das Band zwischen Schulterhöhe und Rabenschnabelfortsatz sowie die Vorder- und Unterfläche der Schulterhöhe, meist im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie). Bei einer alleinigen Acromioplastik erlaubt der Arzt bereits nach einigen Tagen aktive Bewegungen und Belastungen der operierten Schulter.

Ein weiterer arthroskopischer Eingriff ist die Naht von kleineren Rissen der Rotatorenmanschette. Sinnvoll ist diese Maßnahme allerdings nur bei relativ frischen Rissen und bei jüngeren, körperlich aktiven Menschen. Nach einer Naht der Rotatorenmanschette lagert der Arzt die operierte Schulter auf einem Abspreizpolster. Gleichzeitig beginnen passive (geführte) Bewegungsübungen, um eine Versteifung der Schulter zu verhindern. 4–6 Wochen später sind erste aktive Bewegungen möglich; voll belastbar ist die Naht nach 10–12 Wochen.

Wenn der Sehnenmantel bei älteren Menschen insgesamt verschlissen und ausgedünnt ist, hat sich die Naht eines Risses nicht bewährt. Hier ist es sinnvoller, den betroffenen Teil der Rotatorenmanschette durch einen Muskelstreifen zu ersetzen, der aus einem Rückenmuskel freigelegt wird. Als weiteres operatives Verfahren kommt bei Verklebungen und Verwachsungen eine Gelenkmobilisation in Betracht, um dem erkrankten Schultergelenk zumindest einen Teil seiner Beweglichkeit zurückzugeben – was jedoch nach längerem Krankheitsverlauf manchmal an der Verkümmerung der Schultermuskulatur scheitert.

Große Kalkablagerungen, die als langfristige Folge chronischer Reizungen entstehen, machen in seltenen Fällen eine Spülung erforderlich. Meistens lösen sie sich jedoch im Lauf einiger Monate von selbst auf, wenn der Betroffene konsequent schmerzauslösende Bewegungen vermeidet.

Behandlung der Sportlerschulter. Bei noch erträglichen Schmerzen helfen Dehnungsübungen im hinteren Schulterbereich sowie krankengymnastische Übungsbehandlungen. In schweren Fällen empfiehlt der Arzt eine Operation, z. B. eine Wiederherstellung der oberen Gelenklippe, eine Naht von Rotatorenmanschettenrissen und/oder eine Raffung von überdehnten Kapselbandanteilen.

Selbsthilfe

Wenn Beschwerden einer PHS akut auftreten oder sich plötzlich verschlechtern, hilft oft Kälte. Versuchen Sie es in diesem Fall z. B. mit Kühlpackungen oder feuchtkühlen Umschlägen. Chronische Beschwerden reagieren dagegen besser auf Wärme. Legen Sie sich im Bett z. B. ein Wärmekissen unter die Schulter, um die besonders quälenden, nächtlichen Schmerzen zu lindern. Regelmäßige Bewegungsübungen der Schulter (Schulterschule) tragen dazu bei, wiederkehrende Schübe einer PHS hinauszuzögern oder zu verhindern.

Vorsorge

Als Prophylaxe der Sportlerschulter raten Sportmediziner beim Training zu einem bewussten, gleichmäßigen Aufbau der Schultermuskulatur sowie zu Dehnungsübungen der hinteren Kapselbandanteile und Muskelgruppen.

Komplementärmedizin

Akupunktur, Homöopathie, Magnettherapie und Biofeedback sind häufig eingesetzte komplementärmedizinische Verfahren zur Behandlung von chronischen Schulterschmerzen; oft empfiehlt sich auch eine Kombination der Verfahren – welche am besten hilft, muss individuell ausprobiert werden.

Entspannungsverfahren wie Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga helfen erwiesenermaßen, besser mit chronischen Schmerzen umzugehen; gegebenenfalls bietet es sich an, mit einem Trainer spezielle Übungen zu erlernen, die die Schulter nicht belasten.

Weiterführende Informationen

  • www.leitlinien.net – Stichwortsuche Rotatorenmanschettenruptur: Ärztliche Leitlinie zu Diagnostik und Therapie der Erkrankung.
  • www.periarthropathia-humeroscapularis.de – Internetseite des Schmerztherapiezentrums, Bad Mergentheim: Differenzierte und laienverständliche Darstellung der konservativen Behandlung der Periarthritis humeroscapularis.
  • J. Jerosch; J. Heisel: Meine Schulter schmerzt. Ratgeber für Patienten. Schülling, 2001. Guter Überblick von zwei ausgewiesenen Schulterexperten.
  • J. Grifka: Die Schulterschule. Selbsthilfe bei Schulterbeschwerden, Diagnose und Therapie und die besten Übungen. Rowohlt Taschenbuch, 2004. Guter Patientenratgeber mit Anleitungen zur Selbsthilfe.

Schlüsselbeinbruch

Schlüsselbeinbruch (Claviculafraktur, Klaviculafraktur): Bruch eines der beiden Schlüsselbeine, also des schmalen Knochens, der das Brustbein mit dem Schulterblatt verbindet. Es handelt sich um den zweithäufigsten Knochenbruch nach dem Speichenbruch. Meist entsteht die Verletzung durch direkte Gewalteinwirkung oder durch Sturz auf den ausgestreckten Arm, typischerweise bei Verkehrs- und Sportunfällen. Unter konservativer Behandlung mit einem Rucksackverband oder einer Armschlinge für 10–30 Tage heilt der Bruch in der Regel folgenlos. Nur selten ist eine Operation erforderlich.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Schmerzhafte Schwellung, Druck- und Bewegungsschmerz am Schlüsselbein
  • Oft sichtbare und tastbare Stufe am Schlüsselbein
  • Oft Bluterguss über der betroffenen Stelle
  • Schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Schulter und des Arms
  • Manchmal sichtbares Absinken der verletzten Schulter.

Wann zum Arzt

Sofort, wenn

  • der Verdacht auf einen Schlüsselbeinbruch besteht.

Erste Hilfe

Die schmerzende Stelle sofort mit Umschlägen, Eisbeuteln oder Kühlpacks zu kühlen bringt oft Schmerzerleichterung. Beim Transport zum Arzt ist es empfehlenswert, den verletzten Arm in angewinkelter Stellung vorsichtig mit einem Tuch oder Kleidungsstück am Körper zu fixieren.

Die Erkrankung

Bis zu 15 % der Knochenbrüche im Erwachsenenalter betreffen das Schlüsselbein, also einen der beiden schmalen, S-förmigen Knochen des Schultergürtels, die das Brustbein mit dem rechten bzw. linken Schulterblatt verbinden. Die häufigsten Ursachen sind Verkehrs- und Sportunfälle. Dabei wirkt die Gewalt entweder indirekt auf den Knochen ein (z. B. beim Sturz auf den sich abfangenden Arm) oder direkt, wie etwa bei einem Schlag oder Stoß von vorn auf die Schulter.

In der Regel bricht nur eines der beiden Schlüsselbeine, und das in 80 % der Fälle im mittleren Drittel des Schafts (am Übergang zum äußeren Drittel, wo der Knochen am dünnsten ist). Manchmal entsteht nur ein Knick, meistens aber eine mehr oder weniger starke Verschiebung der Bruchteile. Das Gewicht des Arms und die Brustmuskulatur ziehen die Schulter samt dem äußeren Bruchstück nach unten und vorne, während das innere Bruchstück durch den Zug der Halsmuskulatur nach oben und hinten abweicht.

Trümmerbrüche kommen in etwa 20 % der Fälle vor, offene in 1 bis 2 % der Schlüsselbeinbrüche. In seltenen Fällen verletzen die scharfkantigen Bruchenden auch die dicht unter dem Schlüsselbein verlaufende Schlüsselbeinvene (Vena subclavia), die Schlüsselbeinarterie (Arteria subclavia), die Lunge oder die Nerven, die von der Halswirbelsäule zum Arm ziehen.

Diagnosesicherung

Der Arzt stellt die Diagnose oft schon anhand der Schilderung des Unfall- oder Sturzhergangs und der Beschwerden, wie z. B. den Schmerzen am Schlüsselbein und der Schonhaltung des Arms. Oft lässt sich auch die Stufenbildung im Verlauf des Schlüsselbeins gut erkennen. Wird die Schulter bewegt, hört man dabei ein typisches Reibegeräusch des Knochens, das die Mediziner Crepitatio nennen.

Gesichert wird die Diagnose mit Röntgenaufnahmen des Schlüsselbeins, wobei sich dabei oft auch das Ausmaß einer eventuellen Verschiebung der Bruchfragmente erkennen lässt. Im Zweifel veranlasst der Arzt eine Belastungsaufnahme, die allerdings recht schmerzhaft ist. Dabei wird an beiden Handgelenken ein Gewicht von 5 bis 10 kg befestigt, wodurch der Arm nach unten gezogen wird und eine Verschiebung an der kranken Seite erkennbar ist.

Um keine Nerven- oder Gefäßverletzung zu übersehen, prüft der Arzt den sogenannten DMS-Status, d. h. die Durchblutung, die Motorik und die Sensibilität des betroffenen Arms. Dazu fühlt er z. B. den Puls, beurteilt die Nagelbettdurchblutung, lässt den Patienten die Finger bewegen und streicht mit einem feinen Pinsel oder einer Nadel über die Haut von Hand und Fingern.

Beim Verdacht auf eine begleitende Lungenverletzung hört der Arzt außerdem die Lunge ab und veranlasst eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs. Durch Abtasten und Abklopfen von Brustkorb und Wirbelsäule prüft er orientierend, ob zusätzlich Rippenbrüche oder Wirbelkörperbrüche vorliegen. Sind Gefäße verletzt, ist eine Angiografie, d. h. eine Kontrastmitteluntersuchung der entsprechenden Gefäße, erforderlich. Beim Verdacht auf Verletzung des Nervengeflechts im Schulterbereich wird eine MRT veranlasst.

Differenzialdiagnose. Ähnlich schmerzhaft sind andere Verletzungen der Schulter, wie z. B. die Schultereckgelenkverrenkung, der Oberarmkopfbruch oder die Schulterverrenkung.

Behandlung

Ob ein Schlüsselbeinbruch konservativ mit bloßem Ruhigstellen des Armes oder operativ behandelt wird, hängt von einer Reihe von Faktoren ab, zum Beispiel davon, in wie viele Teile der Knochen gebrochen ist, ob die Bruchteile verschoben sind und ob Begleitverletzungen vorliegen. Auch das Alter des Patienten und eventuelle Begleiterkrankungen, die eine Operation riskant machen, spielen eine Rolle bei der Therapieentscheidung. Neuere Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass mit den modernen Operationsverfahren in vielen Fällen bessere Ergebnisse erzielt werden können als mit einer konservativen Therapie. Die Entscheidung, welche Behandlung am besten ist, ist deshalb für jeden Patienten individuell zu treffen.

Konservative Behandlung

Die konservative, also nicht-operative Behandlung, ist vor allem geeignet für Brüche, bei denen die beiden Bruchstücke nicht oder kaum verschoben (disloziert) sind und bei denen keine Begleitverletzungen vorliegen. Auch alten Menschen wird oft eine konservative Therapie empfohlen, da diese meist ein höheres Operationsrisiko und durch einen ruhigeren Lebensstil weniger Angst vor funktionellen Einbußen haben.

Schmerztherapie. Gegen die Schmerzen verordnet der Arzt meist ein Schmerzmittel wie Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ), Paracetamol (z. B. ben-u-ron® oder Paracetamol-ratiopharm®) oder Metamizol (z. B. Novalgin®).

Ruhigstellen. Um Arm und Schulter ruhigzustellen gibt es verschiedene Verfahren:

  • Rucksackverband. Hier legt der Arzt dem Patienten für 3–4 Wochen (bei Kindern für zehn Tage) einen wie ein Rucksack geformten Verband an, der die Schulter(n) nach hinten zieht und fixiert. Mehrfaches, anfangs tägliches Nachspannen des Verbands ist erforderlich, um eine Verkürzung des Schlüsselbeins und eine Achsenfehlstellung zu verhindern. Andernfalls droht eine Fehlstellung des Schulterblatts, das sich wie ein Segel nach außen drehen würde (Scapula alata). Ob die Anlage eines Rucksackverbands tatsächlich zu einer wesentlichen Ruhigstellung des Schlüsselbeins führt, ist allerdings umstritten angesichts der ständigen Schulter- und Atembewegungen und der starken Muskelkräfte, die in diesem Bereich wirken.
  • Armschlinge oder Gilchrist-Verband. Alternativen zum Rucksackverband sind die Armschlinge und der Gilchrist-Verband, die ebenfalls für etwa 3-4 Wochen angelegt werden.

Physiotherapie. Nach etwa 3 Wochen beginnt die Physiotherapie, zunächst als Bewegungstherapie. Nach etwa 6 Wochen kommen muskelkräftigende Übungen dazu.

Verlaufskontrollen. Den Heilungsverlauf prüft der Arzt mit regelmäßigen Untersuchungen, z. B. 1, 3 und 6 Wochen nach dem Schlüsselbeinbruch. Nach 6 Wochen erfolgt auch eine radiologische Kontrolle, ob der Knochen gut zusammenwächst.

Operative Behandlung

Eine operative Einrichtung und Stabilisierung des Schlüsselbeins empfiehlt sich bei stark verschobenen Brüchen mit kosmetisch störender Stufe in der Schlüsselbeinkontur, bei (drohender) Durchspießung der Haut oder bei Verletzung von Blutgefäßen, Nerven oder Lunge. Je nach Lage des Bruchs und möglichen Begleitverletzungen wird die Operation offen, minimal-invasiv oder per Gelenkspiegelung (Arthroskopie) durchgeführt.

Die stabilisierende Funktion übernehmen meist Platten und Schrauben, alternativ ein elastischer Nagel (Prevot-Nagel), der in die Markhöhle des Knochens eingebracht wird. Bei Brüchen, die an den äußersten Enden des Schlüsselbeins liegen, kommen auch Drahtschlingen zum Einsatz.

Postoperative Nachsorge. Der operierte Arm wird zunächst ein bis zwei Wochen lang mit einem Gilchrist-Verband ruhiggestellt. Wenige Tage nach der Operation beginnt schon die Physiotherapie mit zunächst passiven und später aktiven Übungen, um die Beweglichkeit des Schultergürtels zu erhalten. Nach etwa fünf Wochen kommt dann das muskelaufbauende Training inklusive Stütztraining dazu.

Daneben kontrolliert der Arzt den Heilungsprozess regelmäßig durch Untersuchungen und mithilfe von Röntgenaufnahmen (z. B. 3 Tage und 5 Wochen nach der Operation).

Komplikationen

Sowohl bei der konservativen als auch bei der operativen Behandlung eines Schlüsselbeinbruchs drohen Komplikationen. Die wichtigsten sind:

  • Bildung eines Falschgelenks (Pseudarthrose) durch Ausbleiben der Knochenheilung und weiterer Beweglichkeit der beiden Knochenfragmente
  • Überschießende Kallusbildung (Bindegewebsbildung im Bereich der Knochenbruchstücke), die entweder von außen sichtbar ist und kosmetisch stört oder im Innern Gefäße und Nerven abdrückt
  • Überschießende Narbenbildung am Hautschnitt nach operativer Behandlung; sie entsteht durch den starken Zug des Brustmuskels
  • Infektion der Weichteile und des direkt unter der Haut liegenden Schlüsselbeins über die Operationswunde.

Prognose

Einfache, konservativ behandelte Schlüsselbeinbrüche verheilen in der Regel gut und ohne Folgen. Erwachsene können den Arm meist nach 6 bis 8 Wochen wieder voll belasten. Bei Kindern heilt das Schlüsselbein schneller. Sobald sie beide Arme nach etwa vier Wochen seitengleich und schmerzfrei bewegen können, ist wieder eine volle Belastung erlaubt. Sehr selten führen schlechte verheilte Brüche zu Asymmetrien der Schulter oder – falls Kinder betroffen sind – zu Wachstumsstörungen.

Komplizierte, operativ versorgte Schlüsselbeinbrüche brauchen etwa 8 bis 12 Wochen, bis der Knochen wieder belastbar ist. Die implantierten Metallteile werden frühestens drei Monate nach der Operation wieder entfernt.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Schonung. Ob Armschlinge, Rucksackverband oder Gilchrist-Verband, halten Sie sich an die gebotene Schonung ihres Armes und Ihrer Schulter, damit das Schlüsselbein wieder richtig zusammenwachsen kann.

Sturzprophylaxe. Ein erneuter Sturz ist unbedingt zu vermeiden. Kinder und alte Menschen mit Schlüsselbeinbruch sollten sich deshalb beim Treppensteigen mit der Hand des gesunden Arms gut am Geländer festhalten. Vermeiden Sie Stolperfallen in der Wohnung, wie etwa rutschende Teppiche oder herumliegende Kabel. Tragen Sie Schuhe, die gut sitzen und ein griffiges Profil haben.

Sport. Beginnen Sie nach einem Schlüsselbeinbruch nicht zu früh mit Sport und besprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt, wann welche sportliche Betätigung für Sie wieder erlaubt ist. Ein Funktionstraining sollte nicht vor der 9. Woche nach der Operation beginnen, Kontaktsportarten sollten Sie zur Sicherheit das ganze erste halbe Jahr nach der Operation nicht aufnehmen.

Prävention

Besonders gefährdet für Schlüsselbeinbrüche sind Skifahrer, Snowboard- und Skateboardfahrer. Anfänger sollten deshalb neben dem Fahrtraining auch ein Sturztraining absolvieren. Dabei können sie lernen, im Falle eines Falles "besser" hinzufallen.

Schultereckgelenkverrenkung

Schultereckgelenkverrenkung (Acromioclaviculargelenkluxation, ACG-Luxation, Schultereckgelenksprengung): Verrenkung des Gelenks zwischen dem Schulterdach (Acromion) und dem Schlüsselbein (Clavicula) durch Zerrung oder Zerreißen seines stabilisierenden Kapsel-Band-Apparats. Ursache ist meist ein Sturz auf die Schulter oder auf den ausgestreckten Arm, z. B. bei einem Reit-, Fahrrad- oder Skateboardunfall. Bemerkbar macht sich die Schultereckgelenkverrenkung durch Schmerzen im Schulterbereich, meist wird der betroffene Arm, unterstützt vom gesunden Arm, zur Schonung eng am Körper gehalten. Die Behandlung ist in der Regel konservativ, nur in schweren Fällen werden Schulterdach und Schlüsselbein operativ zusammengefügt. Die Verletzung hinterlässt normalerweise keine bleibenden Beschwerden oder Funktionseinbußen.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Starke Schmerzen über dem Schultergelenk (am seitlichen Ende des Schlüsselbeins)
  • Schwellung im Bereich der Schulter, die sich bis auf den Oberarm ausbreiten kann, evtl. auch ein Bluterguss
  • Schmerzhafte Bewegungseinschränkung von Schulter und Arm, Schonhaltung
  • Sichtbarer Hochstand des Schlüsselbeins am äußeren Ende.

Wann zur Arztpraxis

In den nächsten Tagen, wenn

  • sich leichtere Beschwerden im Bereich des Schultereckgelenks nicht zusehends bessern.

Noch am selben Tag, wenn

  • eine ausgeprägte Schwellung, starke Schmerzen oder ein sichtbarer Hochstand des Schlüsselbeins am Schultereckgelenk bestehen.

Die Erkrankung

Das Schulterdach (Acromion) an der oberen, äußeren Spitze des Schulterblatts und das äußere Ende des Schlüsselbeins (Clavicula) sind durch das Schultereckgelenk miteinander verbunden. Kräftige Bänder verstärken die Gelenkkapsel, zusätzlich ziehen noch weitere Bänder vom Schulterblatt zum Schlüsselbein. Für die Gelenkstabilität besonders wichtig sind das Band zwischen Schulterdach und Schlüsselbein (Ligamentum acromioclaviculare) und das Band zwischen Rabenschnabelfortsatz und Schlüsselbein (Ligamentum coracoclaviculare).

Obwohl das Schultereckgelenk durch diese kräftigen Bänder recht gut geschützt ist, kann es durch Stürze auf die Schulter oder auf den ausgestreckten Arm zu Schaden kommen. Je nach Schwere der Gewalteinwirkung sind Kapsel und Bänder nur gezerrt oder aber – teilweise oder vollständig – gerissen. Als Folge der Verletzung zieht die Halsmuskulatur das Schlüsselbein nach oben und verursacht das typische Symptom des Claviculahochstands. Schulterblatt und Arm verschieben sich dagegen unter dem Zug der Brustmuskulatur und dem Gewicht des Arms nach unten und vorne.

Klinik

Da bei nahezu jeder Armbewegung auch Bewegungen im Schultereckgelenk stattfinden, führt die Verletzung zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung des Arms. Typischerweise können die Betroffenen den Arm nicht über den Kopf heben, auch das seitliche Anheben ist sehr schmerzhaft. Zur Schonung des Arms wird dieser meist nach innen gedreht, am Körper angelehnt und unterstützt vom gesunden Arm getragen.

Diagnosesicherung

Die Ärzt*In stellt die Diagnose anhand der Beschwerden und des gegebenenfalls sicht- und tastbaren Claviculahochstands. Beim typischen Klaviertastenphänomen lässt sich das hochstehende Schlüsselbein herunterdrücken und schnellt anschließend durch den Zug der Halsmuskulatur wieder nach oben.

Röntgenaufnahmen in 2 Ebenen sichern die Diagnose. Im Zweifel wird auch eine Belastungsaufnahme veranlasst, die allerdings recht schmerzhaft ist. Dabei werden die Handgelenke der Patient*In mit einem Gewicht von 5 bis 10 kg beschwert, wodurch der Arm nach unten gezogen und ein eventuell vorher nicht erkannter Claviculahochstand erst sichtbar wird.

Der im Röntgenbild erkennbare Grad des Claviculahochstands spiegelt das Ausmaß der Bandverletzung wider: Bei einer bloßen Zerrung von Kapsel und Bändern beträgt er nur wenige Millimeter, bei einem teilweisen Bandriss etwa 0,5–1 cm (halbe Schlüsselbeinbreite). Ein Abstand von über 1 cm (~ ganze Schlüsselbeinbreite) spricht für eine vollständige Zerreißung aller Bandstrukturen.

Auch mit Ultraschall lässt sich eine Schultereckgelenkssprengung diagnostizieren. Mit dieser Methode erkennt die Ärzt*In gleichzeitig, ob es zu Einblutungen im Gelenkbereich gekommen ist und ob die Rotatorenmanschette mitbetroffen ist.

Klassifikationen nach Tossy oder Rockwood

Für die therapeutisch wichtige Einteilung der Schultereckgelenksverletzungen gibt es verschiedene Klassifikationen, am gebräuchlichsten sind die nach Tossy und die nach Rockwood. Die Klassen I bis III stimmen bei beiden Klassifikationen überein und beurteilen den Zustand der beiden wichtigsten Bänder, dem Ligamentum (= Band, abgekürzt Lig.) acromioclaviculare und dem Lig. coracoclaviculare. Die Rockwood-Klassifikation definiert zusätzlich 3 weitere, kompliziertere Schweregrade mit seltenen Kombinationen von Bandzerreißungen am Schultereckgelenk.

  • Tossy/Rockwood I: Überdehnung der beiden Bänder
  • Tossy/Rockwood II: Riss des Lig. acromioclaviculare und Dehnung des Lig. coracoclaviculare, die Gelenkfläche von Schulterdach (Acromion) und Schlüsselbein (Clavicula) berühren sich noch teilweise
  • Tossy/Rockwood III: beide Bänder gerissen, kein Kontakt mehr zwischen Schulterdach und Schlüsselbein
  • Rockwood IV bis VI: Wie Tossy/Rockwood III, aber mit zusätzlichen Bandverletzungen und Abrissverletzungen von Schultermuskeln.

Differenzialdiagnosen. Ähnliche Beschwerden verursachen vor allem die Schulterverrenkung und der Schlüsselbeinbruch.

Behandlung

Je nach Ausmaß der Verletzung wird die Schultereckgelenkverrenkung konservativ durch Ruhigstellung behandelt oder operiert. Ein Kriterium für die Operation ist der Grad der Verletzung nach Tossy oder Rockwood. Auch das Alter der Patient*In, das Operationsrisiko und die Wünsche bezüglich des funktionellen Operationsergebnisses fließen in die Therapieempfehlung mit ein.

Tossy/Rockwood I: Eine Zerrung wird konservativ, also ohne Operation behandelt – mit körperlicher Schonung, Kühlung und entzündungshemmenden Medikamenten wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®). Starke Beschwerden bessern sich oft durch eine mehrtägige Ruhigstellung in einem Schulter-Arm-Verband wie dem Gilchrist-Verband.

Tossy/Rockwood II: Bei einem Teilriss der Bänder behandeln die Ärzt*Innen ebenfalls meist konservativ. Hier wird die Schulter länger, in der Regel für etwa ein bis zwei Wochen ruhiggestellt, um die Schmerzen zu lindern und die Heilung zu fördern. In manchen Fällen, z. B. bei sportlich sehr aktiven Menschen oder Über-Kopf-Arbeitern wie Elektrikern kann auch die Operation in Frage kommen. Ebenso wird operiert, wenn nach mehr als 3 Monaten konservativer Behandlung keine Heilungstendenz erkennbar ist.

Tossy/Rockwood III: Sind die beiden oben genannten Bänder vollständig zerrissen, empfehlen die Ärzt*Innen insbesondere bei jungen Menschen unter 35 Jahren, die körperlich sehr aktiv sind oder oft Überkopfarbeiten ausführen, die Operation. Bei alten Menschen mit einer solchen Verletzung wird eher zur konservativen Therapie tendiert, da das eventuell bessere funktionelle Ergebnis durch eine Operation das im fortgeschrittenen Alter erhöhte Operationsrisiko nicht immer aufwiegt.

Rockwood IV bis VI: Bei diesen seltenen komplizierten Verletzungen wird in aller Regel operiert.

Operation

Ziel der Operation ist die Rekonstruktion einer normalen Gelenkstellung, um einen späteren Gelenkverschleiß zu vermeiden. Es stehen sowohl offene als auch arthroskopische Operationsverfahren zur Verfügung. Als Nachteil der offenen Operation gilt die kosmetisch oft störende Narbenbildung.

Bei der Operation reicht es nicht aus, die gerissenen Kapsel- und Bandstrukturen zu nähen. Die frischen Nahtverbindungen würden die großen Kräfte nicht aushalten, die Schulterblatt und Schlüsselbein auseinanderziehen. Bis die Bänder fest verheilt und belastbar sind, ist deshalb eine kräftige Verbindung zwischen Schulterblatt und Schlüsselbein erforderlich. Am häufigsten verwenden die Operateur*Innen dazu ein sich selbst auflösendes Band oder eine entsprechende Kordel, die sie um Rabenschnabelfortsatz und Schlüsselbein schlingen. Alternativ werden die beiden Knochen vorübergehend verdrahtet, verschraubt oder über eine Platte verbunden. Die eingebrachten Metallstücke verbleiben etwa ein halbes Jahr im Körper.

Nachbehandlung. Nach der Operation ist es nur für einige Tage erforderlich, die betroffene Schulter ruhig zu stellen. Anschließend beginnt die Physiotherapie, zunächst mit passiven Bewegungen, später kommen aktive Bewegungen ohne Belastung hinzu. Dabei ist es innerhalb der ersten sechs Wochen noch nicht erlaubt, den operierten Arm über die Horizontale zu heben. Nach etwa 12 Wochen darf die Patient*In mit dem Kraftaufbau beginnen und den Arm mit Belastung bewegen. Falls implantiertes Metall entfernt werden soll, geschieht dies frühestens nach 6 bis 8 Wochen.

Prognose

Sowohl bei der konservativen als auch bei der operativen Behandlung ist das Ergebnis meist gut, nach 3 bis 4 Monaten darf die Schulter meist wieder voll belastet werden. Langfristig droht jedoch bei jeder dritten operierten und jeder zweiten konservativ behandelten Patient*In eine Arthrose des Schultereckgelenks.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Erste Hilfe. Falls Sie nach einem Sturz auf die Schulter starke Schmerzen und/oder eine Schwellung entwickeln, beginnen Sie sofort, den verletzten Bereich zu kühlen. Je früher gekühlt wird, desto weniger schwillt die Schulter an. Beim Transport zur Ärzt*In ist es zudem empfehlenswert, den verletzten Arm in angewinkelter Stellung vorsichtig mit einem Tuch oder Kleidungsstück am Körper zu fixieren.

Schonung. Egal ob Sie konservativ behandelt oder operiert wurden – die Schonung der Schulter ist zunächst oberstes Gebot. Halten Sie sich in puncto Bewegung genau an die Maßgaben der Ärzt*In oder Physiotherapeut*In, damit die Verletzung gut ausheilen kann.

Krankengymnastik. Krankengymnastik kräftigt die Muskulatur, die die Schulter umgibt und führt. Führen Sie die vom Physiotherapeut*In gelernten Übungen möglichst exakt und regelmäßig aus.

Sport. Wann und welcher Sport nach einer Schultereckgelenksverrenkung erlaubt ist, entscheidet Ihr Arzt oder Ihre Ärztin je nach individueller Verletzung. Bei einer Zerrung darf der Sport meist nach etwa 2 Wochen, nach einem teilweisen Bänderriss nach etwa 5 bis 6 Wochen wieder aufgenommen werden. Sportarten, bei denen die Schulter besonders stark belastet wird (Handball, Volleyball, Speerwerfen) oder Kontaktsportarten sind frühestens nach 3 Monaten wieder erlaubt, viele Ärzt*Innen verbieten sie auch für ein halbes Jahr.

Schultergelenkarthrose

Schultergelenkarthrose (Omarthrose, Humeroscapulargelenkarthrose): Verschleiß des Schultergelenks zwischen Oberarmkopf und Schulterblattpfanne, meist als Alterserscheinung oder als Folge übermäßiger Beanspruchung. Seltenere Ursachen sind chronische Gelenkentzündungen, z. B. Rheumatoide Arthritis und Verletzungen, die zu einer Verformung der Gelenkflächen führen, z. B. Oberarmkopfbruch. Die Behandlung zielt auf Linderung der Symptome ab, kann aber ein Fortschreiten der Arthrose nicht aufhalten. In schweren Fällen empfiehlt sich manchmal ein operativer Gelenkersatz.

Leitbeschwerden

  • Bewegungsabhängige Schmerzen
  • Schmerzhafte Bewegungseinschränkung im Schultergelenk, zunächst bei Außendrehung und Abspreizen des Arms über die Schulterhöhe
  • Oft Reiben und Knarren bei Schulterbewegungen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn ohne vorausgegangene Verletzung eine schmerzhafte Einschränkung der Schulterbeweglichkeit besteht

Die Erkrankung

Die Schultergelenkarthrose zeigt die allgemeinen Kennzeichen und Beschwerden einer Arthrose. Altersbedingte Abnutzung, arbeits- oder sportbedingte Überbeanspruchung, chronische Gelenkentzündungen und Unfallfolgen sind die wesentlichen Faktoren, die zu Schäden des Gelenkknorpels und später auch zu Verformungen des Knochens führen. Das Schultergelenk läuft nicht mehr „rund“, Schmerzen und eine zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit bis hin zur Schultersteife sind die Folge.

Das macht der Arzt

Ultraschall und Röntgen der Schulter – bei zweifelhaften Befunden auch ein CT – verschaffen dem Arzt Klarheit darüber, ob die Beschwerden durch eine Arthrose bedingt sind. Andere Schultererkrankungen verursachen oft ähnliche Beschwerden, insbesondere Verschleißerscheinungen im Bereich der Rotatorenmanschette.

Behandelt wird die Schultergelenkarthrose mit entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamenten (NSAR) wie Diclofenac oder Kortisonpräparaten, meist in Form von Tabletten oder Spritzen (z. B. in den Gesäßmuskel), gelegentlich auch als Injektion direkt in das Schultergelenk. Meist verordnet der Arzt zusätzlich Krankengymnastik, um die Beweglichkeit des Schultergelenks zu verbessern. Auch Physiotherapie ist wirkungsvoll, etwa in Form von Wärmeanwendungen
(z. B. Fangopackungen) oder von Dehnungsbehandlungen bei schmerzhaft verspannter oder verkürzter Schultermuskulatur.

Alle diese Behandlungsformen zielen darauf ab, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Arthrose zu verlangsamen. Sie können den Gelenkverschleiß jedoch nicht rückgängig machen. Wenn nichts mehr hilft, bleibt bei schwerer Arthrose der Einbau eines künstlichen Schultergelenks (Schultergelenksendoprothese, Oberarmkopfprothese oder aber Schulter-Totalendoprothese, kurz: Schulter-TEP). Die Haltbarkeit von künstlichen Schultergelenken unterscheidet sich kaum von künstlichen Hüft- und Kniegelenken: 95 % haben zehn Jahre nach der Implantation noch eine ausreichend gute Funktion, 80 % sogar noch nach 15 Jahren.

Selbsthilfe

Auch wenn es schmerzt – halten Sie die von Arthrose geplagte Schulter in Bewegung. Sie riskieren sonst, dass das in seiner Beweglichkeit ohnehin eingeschränkte Schultergelenk zunehmend steifer wird. In Ruhephasen tut es vielen Patienten gut, die schmerzende Schulter zu wärmen, z. B. mit Hilfe von Wärmekissen oder Rotlicht.

Komplementärmedizin

Akupunktur, Homöopathie, Magnettherapie und Biofeedback sind häufig eingesetzte komplementärmedizinische Verfahren zur Behandlung von chronischen Schulterschmerzen; oft empfiehlt sich auch eine Kombination der Verfahren – welche am besten hilft, muss individuell ausprobiert werden.

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